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Mobbing per Mausklick

06.09.2012 09:25

Günter Steppich klärt über die moderne Form des Schikanierens auf – Opfer sollten nicht auf Attacken reagieren

Günter Steppich klärt Lehrer und Schulsozialarbeiter über Cybermobbing auf. (Foto: Rüdiger Koslowski)
Günter Steppich klärt Lehrer und Schulsozialarbeiter über Cybermobbing auf. (Foto: Rüdiger Koslowski)

Bei Facebook eine Seite mit dem Namen einer Schülerin anlegen, die keiner leiden mag. Sie beschimpfen und dann verfolgen, wem die Einträge gefallen. Cybermobbing nennt sich das, für die Betroffenen beginnt eine Tortur. 

An der Anne-Frank-Schule hat es im vergangenen Schuljahr einen Fall von Cybermobbing gegeben, berichtet die stellvertretende Schulleiterin Heidi Seib. Eine Schülerin der achten Jahrgangsstufe sei damals im Internet von einem Schüler diffamiert worden. Die Schülerin habe aber klug reagiert und den Fall dem Klassenlehrer gemeldet, der die Schulleitung informierte. Der Übeltäter hat sich selbst gestellt und erhielt einen Eintrag in seine Schulakte.
An der Anne-Frank-Schule wird das Thema Cybermobbing bisher von der Schulsozialarbeit und von den Lehrern im Klassenrat thematisiert. Es sei aber angedacht, es in einer Unterrichtsstunde zu verankern, so Heidi Seib über die Gedankenspiele der Schulverwaltung. 

Am Dienstag hatten die Schulsozialarbeiter und die Lehrer aus dem Kreisgebiet die Gelegenheit, sich in der Anne-Frank-Schule bei Günter Steppich, Fachberater für Jugendmedienschutz am Staatlichen Schulamt für Wiesbaden und den Rheingau-Taunus-Kreis, zu informieren. Eltern waren auch eingeladen. Aber weder Mütter noch Väter nahmen in der Aula der Integrierten Gesamtschule Platz. 

„Wie eine Drogenszene gibt es auch Cybermobbing an jeder weiterführenden Schule“, nahm Günter Steppich kein Blatt vor den Mund. Prävention würde die Fälle zumindest eindämmen. Günter Steppich unterrichtet an der Gutenbergschule in Wiesbaden, wo nur ganz wenige Fälle vorkommen. 

Auf den Schulalltag projiziert, würde es keineswegs mehr Mobbingfälle als früher geben. „Aber heute haben sie ganz andere Waffen an der Hand“, so der Hinweis des Fachberaters. Nämlich das Internet und soziale Netzwerke. Bei Facebook sei es beispielsweise fast unmöglich, Urheber von Mobbing-Aktionen ausfindig zu machen. 

Welche Kinder und Jugendliche mobben? Schüler, die Probleme mit sich selbst haben, die es nötig haben, ihr Selbstvertrauen zu erhöhen. Es gibt aber auch Mitläufer. Jeder zweite Schüler hat schon einmal mitgemobbt, berichtet Günter Steppich. 

Wer wird gemobbt? Beispielsweise Außenseiter. Aber auch Kinder und Jugendliche, die beliebt sind oder gutaussehende Mädchen, denen irgendjemand mal eins auswischen will. 

Für den Fachberater ist die Prävention die wichtigste Methode, um Cybermobbing zu verhindern. Es gilt, die Folgen für die Opfer aufzuzeigen. Sie haben mit Stress, Schulangst und psychosomatischen Erkrankungen zu kämpfen. Sie können aber auch in den Suizid oder den Amoklauf flüchten. 

Die Opfer sollen auf keinen Fall auf die Attacken reagieren und sich nicht verteidigen und auch nicht auf E-Mails oder andere Botschaften antworten. Aussitzen ist aber auch der falsche Weg, weil das die Mobber noch anstachelt. 

„Das Mobbing hört nicht von alleine auf“, warnt Günter Steppich aber. Deshalb sollen die Opfer Hilfe suchen und den Vorfall melden, so dass gegen die Täter vorgegangen werden kann. Ab der siebten Jahrgangsstufe sei fast jeder Schüler auf Facebook vertreten. Den Schülern sollte klar gemacht werden, ob wirklich jeder das eigene Profil anschauen soll. Auch bei einem Austritt bleiben die Angaben bei Facebook archiviert, warnt Günter Steppich.

Den Lehrern rät er übrigens, auf Facebook vertreten zu sein. Sie sollten wissen, wie das Netzwerk funktioniert, wie jemand gemobbt werden kann. Sie sollten aber keinesfalls Freundschaftsanfragen an ihre Schüler stellen, denn das könnte die Jugendlichen in Bedrängnis bringen. 

Sie könnten beispielsweise ein schlechtes Gewissen bekommen, wenn sie die Anfrage ablehnen.

Erschienen am 06.09.2012 im Echo-Online
Autor: Rüdiger Koslowski

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